>FONT face="Stonehenge Regular" size=6>Dunkle Lyrik


Oh, Ihr interessiert Euch auch für Gedichte? Welch glücklicher Zufall also, dass ihr auf dieser Seite gelandet seid! ;-)
Hier habe ich einige Werke von mir, aber auch von anderen Dichtern, die das eine oder andere Meisterwerk zu Papier brachten.
Und für alle, die auch danach trachten, ihre Lyrik unter die Öffentlichkeit zu bringen:
Ihr dürft mir schreiben (bitte mit dem Betreff "Lyrik - Mein Beitrag") und wenn ich die Werke als würdig erachte, werde ich sie meiner Sammlung hinzufügen...
Schreibt dazu bitte Euren Namen (auch Spitzname oder "Künstlername" ist okay), von wann das Gedicht ist (wenn Ihr Euch nicht mehr an das genaue Datum erinnern könnt, reicht auch das Jahr) und natürlich den Titel vom Gedicht - wenn es einen hat.
Und nun...
taucht ein in die wunderbare Welt der Dichtkunst!

Inhalt:
Gedichte:
Der Tod by Opium-Angel
- ohne Titel - aus: Das Buch Gezählten Leids
Du bist der Star by Opium-Angel
- ohne Titel - by Opium-Angel
Gerüchte (dumme Leute) by Opium-Angel
- no title - from: The Book of Counted Sorrows
The War by Opium-Angel
(K)ein Hoffnungsschimmer? by Opium-Angel
Feelings by Opium-Angel
Prolog by Opium-Angel
About Love...- unknown author -
Schlaflied aus "Das Märchen von dem Myrtenfräulein" by Clemens Brentano
Sonett XI. Menschliches Elende by Andreas Gryphius
- Ohne Titel - by Thamus
Geschichten:
Das Ende by Opium-Angel
Frei by Phill Dogg
Traumschläfer by Phill Dogg
Rache-Engel by Opium-Angel



Der Tod

Innere Leere
ist alles, was bleibt,
wenn die Seele
in den Abgrund treibt.

Betroffenheit
und scheinbar endlose Trauer
machen sich breit.

Es scheint, als könnte man
mit niemandem reden,
als würde’s dann
nur noch Verzweiflung geben.

Niemand scheint da zu sein,
der Verständnis hat;
und ist es auch noch so klein.

Der Tod
trifft jeden, der lebt und liebt.
Er droht
nicht lange vor seinem Hieb.

Wenn man ihn sieht
ist es meist schon zu spät;
auch wenn man flieht.

Denn jeder hat nur begrenzte Zeit.
Ist sie abgelaufen,
dann ist es soweit.
Keine Chance davonzulaufen!

© Opium-Angel
10|12|2000




Bedeutungsloses Leben
Bietet nichts als Leere dar
Wir finden eine Aufgabe
Und nehmen sie wahr
Oder folgen willig
Des Todes Schar
Ohne das Schimmern
Von Bedeutung im Leben
Sind wir ohne Visionen
Und dem Leid ergeben
Oder die Klinge
Des Freitods wir heben

- Das Buch Gezählten Leids -




Du bist der Star

Einmal
bist DU der Star,
du bist da vorne,
alle sind nur wegen dir da.

Einmal
wirst DU ganz groß angekündigt,
wirst gelobt
von dem, den alle kennen.

Einmal
ist die Musik für DICH,
sie singen alle mit,
jeder kann den Text.

Einmal
halten sie alle wegen DIR den Atem an,
und erwartungsvolles Schweigen
füllt den Saal.

Einmal
werden nur für DICH Flammen entzündet,
die dann die ganze Zeit
für dich brennen.

Einmal
holen sie wegen DIR ihre Taschentücher
und heulen und schluchzen,
was das Zeug hält.

Dieser Tag
ist der Tag deiner Beerdigung!

Die Bühne
ist vor'm Altar!

Der Ansager
ist der Dorfpfarrer!

Die Musik
kommt von der alten Kirchenorgel!

Der Gesang
geht von den Trauernden aus!

Das Schweigen
ist die Schweigeminute!

Die Flammen
brennen das weiße Wachs der Altarkerzen nieder!

Die Tränen
kommen von deiner Familie und deinen Freunden!

Du bist der Star!

© Opium-Angel
26|02|2001





Traurig sitzt sie da,
denkt an das, was einmal war.
Flammen verbrennen das Bild
von denen, die sie für Freundinnen hielt.

Bald sind sie nicht mehr vorhanden.
Anfangs hat sie's nicht verstanden.
Wie konnten sie so etwas tun?
Jetzt mögen sie für ewig ruh'n!

Langsam wird sie weiter zerstört,
weil keiner ihre Schreie hört.
Hass ist es, der sie am Leben hält,
sie davor bewahrt, dass sie fällt.

Wird ihr auch noch die letzte Zuflucht genommen,
hat für sie das Ende begonnen.
Dann wird sie zugrunde geh'n
und keiner hat's geseh'n.

© Opium-Angel
22|03|2001




Gerüchte (dumme Leute)

Gerüchte
sind was für dumme Leute
die nichts besseres zu tun haben
als dummes zu reden

Gerüchte
werden in die Welt gesetzt
von dummen Leuten
die sich schrecklich langweilen

Gerüchte
werden verbreitet von dummen Leuten
die nichts besseres zu tun haben
als Schaden anzurichten

Gerüchte
machen dich fertig
und zerstören dich
wenn du es zulässt

Gerüchte...
- wehre dich dagegen
setzte selber welche in die Welt
Mach' sie fertig!

© Opium-Angel
07|12|2000





Every eye sees its own special vision,
Every ear hears a most different song.
In each mans troubled heart an incision
Would reveal a unique shameful wrong.

Stranger fiends hide here under human guise
Than reside in the Valleys of Hell.
But goodness, kindness and love arise
In the heart of the poor beast as well

- The Book of Counted Sorrows -



The War

I'm sitting in a dark cave
Thinking what I'm gonna do
See the soldiers, all so brave
They're fighting and have fear, too
Do they really understand
What's that for?
A nervous hand
And they breathe no more

Someone has started a war
He wanted to fight
He's broken the law
And does no right

Just because of revenge
People die in pain
Some try to change
But it's all in vain
Their faces are signed forever
Their souls are hurt
They won't forget it, never!
'Cause they see the dirt

Someone has started a war
He wanted to fight
He's broken the law
And does no right

There's no salvation
But some think there is
Forever in damnation
They don't see this
They want to go to paradise
After their death
But do they really rise
With all their wrath?

Someone has started a war
He wanted to fight
He's broken the law
And does no right

Now it's all over
And I sit alone in the cave
No one's there to cover
So I don't feel save
My flesh's in wounds
The memories are still there
Tired are my bones
Will I find peace - somewhere?

Someone had started a war
He'd wanted to fight
He'd broken the law
And did never right

© by Opium-Angel
16|09|2001




(K)ein Hoffnungsschimmer?

Waren nicht einst hier Tiere,
an diesem Ort?

- Nein, waren sie nicht!
Und wenn, so sind sie fort!

Gab es nicht auch Bäume,
auf der ganzen Welt?

- Nein, die gab es nicht!
Oder sie wurden gefällt!

Wo sind die Blumen hin,
die einst hier standen?

- Weg, das siehst du doch!
Vielleicht war'n sie gar nicht vorhanden!

War der Himmel auch mal blau,
und nicht so grau?

- Nein, das gab es nicht!
Ach, ich weiß es nicht genau!

Konnte man früher auch atmen
ohne Schutz?

- Nein, die Luft war immer dreckig!
Voller Schmutz!

Kamen die Menschen schon immer
im Reagenzglas zur Welt?

- Natürlich! Warum nicht?
Wer hat dir solchen Unsinn erzählt?

Gab es die Wolkenkratzer,
die großen, schon immer?

- Kind, hör auf, das wird mit dir
ja immer schlimmer!

Aber Oma sagte mir...

-Jetzt ist Schluss! - Was erzählt sie dir?!

Mami, bitte lass mir den Hoffnungsschimmer!

- Den wird es nicht geben! - Nimmer!

© by Opium-Angel
1998




Feelings

HASS
zerfrisst mich von innen
hätte ich eine Waffe
ich würde Amok laufen

MITLEID
müsste man haben
mit diesen armen Kreaturen,
die nicht wissen dass sie nichts wissen

RACHE
will ich
für alles was sie mir angetan haben
und doppelt dafür was noch kommen wird

LEID
sollen sie erfahren
Tantalus-Qualen erleiden
und niemals sterben daran

VERGELTUNG
ist alles was ich will
doch das ist illegal
- ich lass‘ es lieber...

© by Opium-Angel
27|11|2000




(Das folgende Gedicht ist etwas aus dem Zusammenhang gerissen, denn eigentlich ist es der Prolog einer Geschiche, die ich einmal angefangen habe, aber diese Geschichte ist nicht so besonders toll geworden, weshalb ich sie nicht unbedingt auf meine Homepage stellen möchte.)

Prolog

Jeder hat Angst vor mir,
sie verstecken sich, wenn ich nah‘.
Sie alle fürchten meine Gier
und wünschen, dass ich zur Hölle fahr‘.

Doch in der Hölle bin ich schon,
so seltsam es klingt.
Ich bin Satans Sohn,
der Verderben bringt.

Ich bin der Herr über Tod oder Leben,
ich kann über Ende und Anfang regier’n.
Ich kann die Erlösung geben
und zur ewigen Verdammnis hin führ’n.

Nacht für Nacht,
in jedem Jahr,
hab‘ ich Unheil gebracht.
Oh, wie gnadenlos ich stets dabei war!

Und doch leide ich Höllenqualen,
die ich selbst gewählt habe.
Nun muss ich dafür bezahlen,
wenn ich mich am Blute labe.

Auf ewig zur Unsterblichkeit verflucht,
ein grausameres Schicksal gibt es nicht,
und doch war ich versucht.
Entsagt‘ für immer dem Licht.

Die Sehnsucht nach Liebe brennt in mir,
die Flamme der Begierde lodert,
doch bereits sechzehnhundertundvier
hat meine Liebe ihr erstes Opfer gefordert.

Und immer wenn ich nach dem Leben greif‘,
bleibt nichts in meiner Hand zurück
von dem Seelenreif,
dem reinen Glück.

Wär‘ ich noch am Leben,
ich würde mich töten,
doch ich kann kein Blut mehr geben,
kein Tropfen kann mehr die Erde röten.

So muss ich für immer leiden.
Kann keine Morgenröte mehr seh’n,
wie in alten Zeiten.
Es muss immer so weitergeh’n.

© by Opium-Angel
23|09|2000
(inspiriert durch „Die unstillbare Gier“ aus „Tanz der Vampire“)




Maybe God wants us to meet a few wrong people before meeting the right one,
so that when we finally meet the right person, we will know how to be grateful for that gift.

When the door of happiness closes, another opens,
but often times we look so long at the closed door,
that we don't see the one which has been opened for us.

The best kind of friend is the kind you can sit on a porch and swing with,
never say a word, and then walk away feeling like it was the best conversation you've ever had.

It's true that we don't know what we've got until we lose it, but it's also
true that we don't know what we've been missing until it arrives.

Giving someone all your love is never an assurance that they'll love you
back! Don't expect love in return; just wait for it to grow in their heart but if
it doesn't, be content it grew in yours.

It takes only a minute to get a crush on someone, an hour to like someone,
and a day to love someone, but it takes a lifetime to forget someone.

Dream what you want to dream; go where you want to go; be what you want to
be, because you have only one life and one chance to do all the things you want to do.

May you have enough happiness to make you sweet, enough trials to make you
strong, enough sorrow to keep you human, enough hope to make you happy.

Love begins with a smile, grows with a kiss and ends with a tear.

The brightest future will always be based on a forgotten past, you can't
go on well in life until you let go of your past failures and heart aches.

When you were born, you were crying and everyone around you was smiling.
Live your life so that when you die, you're the one who is smiling and
everyone around you is crying.

- unknown author -


Hörst du, wie die Brunnen rauschen?
Hörst du, wie die Grille zirpt?
Stille, stille, lass uns lauschen,
selig, wer in Träumen stirbt.
Selig, wen die Wolken wiegen,
wem der Mond ein Schlaflied singt!
O wie selig kann der fliegen,
dem der Traum den Flügel schwingt,
dass an blauer Himmelsdecke
Sterne er wie Blumen pflückt:
Schlafe, träume, flieg, ich wecke
bald dich auf und bin beglückt!

Clemens Brentano



Menschliches Elende
Was sind wir Menschen doch? ein Wohnhaus grimmer Schmertzen
Ein Ball des falschen Glücks ein Irrlicht diser Zeit
Ein Schauplatz herber Angst besetzt mit scharffem Leid
Ein bald verschmeltzter Schnee und abgenrante Kertzen.

Diß Leben fleucht davon wie ein Geschwätz und Schertzen.
Die vor uns abgelegt des schwachen Leibes Kleid
Und in das Todten-Buch der grossen Sterblikeit
Längst eingeschriben sind sind uns aus Sinn und Hertzen.

Gleich wie ein eitel Traum leicht aus der Acht hinfällt
Und wie ein Strom verscheust den keine Macht auffhält:
So muß auch unser Nahm Lob Ehr und Ruhm verschwinden

Was itzund Atem holt muss mit der Luft entflihn
Was nach uns kommen wird wird uns ins Grab nachzihn
Was sag ich? wir vergehn wie Rauch von starcken Winden

Andreas Gryphius




- Ohne Titel -
Kalte Häuserreihen,
leere Gesichter,
falsche Moral,
Henker und Richter.

Von Morgen zu Morgen,
hetzend, suchend,
rastlos und sorgend,
konsumierend,

Stumpfe Seelen,
gierend nach Geld,
offene Kehlen,
Allesfresser.
in der Plastik-Welt

Thamus




Da ich auch Kurzgeschichten mag, sind auch davon einige vertreten...


Das Ende

Blutüberströmt sitzt sie auf dem Boden und schreit in die Nacht. Schreit nach Gerechtigkeit, nach Liebe, nach Vergeltung. Sie will nicht mehr leiden, will endlich Frieden.
Sie erinnert sich daran zurück, als alles noch in Ordnung war, als die Welt noch in Ordnung schien - zumindest ihre Welt...
Doch dann kam Streit in ihr Leben und trennte, was zusammen gehören zu schien. Sie war die Minderheit und hatte im aussichtslosen Kampf um Freundschaft und Liebe keine Chance. So siegte schließlich der Verrat, die Gier und legte einen dunklen Schatten über sie, während die andere Seite geblendet wurde. In der Dunkelheit hat sie das falsche Lächeln der Schlange gesehen, die ihr Gift versprühte und alle außer ihr blind machte für die Wahrheit. - Aber bei ihr war es ja egal, sie konnte alleine sowieso nichts tun.
Und so wurde sie selber auch dunkel, flüchtete sich ganz auf die "dark side of life". Und sie ließ niemanden mehr wirklich nah an sich heran, versteckte sich lieber in den Schatten.
Doch wenn jemand es schaffte, diese Finsternis zu durchdringen, dann belohnte sie ihn mit Zuneigung. Und auch wenn sie merkte, dass sie nicht wirklich verstanden wurde, liebte sie weiter und bewahrte sich so vor dem engültigen Aus.
Doch dann kam diese Nacht, sie wusste nicht mehr wie und warum, aber plötzlich hatte sie es getan, hatte den Mut dazu gefunden, das, was schon lange ihr Wunsch gewesen war, zu tun. Schon seit sie verletzt worden war, hatte sie das gewollt.
Jetzt würden sie sie nicht mehr verletzen können, jetzt war es zu Ende, das Martyrium, die Odyssee in der Dunkelheit.
"BIST DU BEREIT?" fragt er.
Sie blickt durch ihre sterblichen Augen und betrachtet die Welt um sich herum. Tränen laufen über ihre inzwischen sehr blassen Wangen und vermischen sich auf dem Boden mit Blut.
In dem dicken Umschlag ist eine Geschichte, ein Roman, den sie geschrieben hat. Zusammen mit einem Brief für ihre besten Freunde und ihre Familie.
Sie drückt den Umschlag an ihre Brust und haucht: "Ja!"
Das ist ihr letztes Wort, danach schließt sie für immer ihre Augen. Er nimmt sie bei der Hand und führt sie fort...
© Opium-Angel
22|03|2001



Frei

Ich kann mich noch gut an die Zeit erinnern, in der ich allein war. Ganz allein in einem großen Haus mit vielen Zimmern. Die Sonne schien durch die Fenster und erhellte die riesigen gemütlichen Räume.
Ich war unabhängig in diesem Haus. Ich konnte machen, was ich wollte.
Nie fühlte ich mich eingeengt. Ich war die freiste Person auf der ganzen Welt.
Doch dann kam sie. Und plötzlich war alles anders.
Plötzlich waren meine Eltern wie ausgewechselt. Sie dachten kaum noch an mich. Taten sie es dann doch einmal, dann nur, wenn sie mich anschrieen. Ich wusste plötzlich überhaupt nicht mehr, was ich tun sollte, um irgendwie geachtet werden.
Das Haus wurde auf einmal so klein, es schrumpfte regelrecht. Es kam mir so vor, als wäre es seit ihrer Ankunft um zwei Drittel kleiner als vorher. Die Fenster ließen kein Licht mehr hindurch in die mittlerweile fast winzigen Räume. Es war dunkel im Haus. Dunkel und kalt.
Und nun waren auf einmal nicht mehr alle Räume im Haus zugänglich. Waren manche sogar verschwunden? Ich kann mich kaum noch erinnern.
Diese Erinnerungen verblassen langsam. Aber ich weiß, wie es war. Ich weiß es immer noch, auch wenn meine Eltern mir anderes erzählen. Ich weiß genau, dass sie Schuld daran ist! Sie hat alles anders gemacht, nachdem sie herkam und mit ihr das Grauen einzog.
Ich kann heute immer noch nicht verstehen, warum ich das alles so lang geduldet habe. War ich etwa so blind?
Spätestens als alle Räume kleiner wurden und ich nicht mehr das tun konnte, was ich wollte. Wie kann man nur so grausam sein und jemandem alles wegnehmen?
Ich weiß nun, dass ich das Richtige getan habe. Ich hatte keine andere Wahl.
Sie hätte mich immer weiter eingeengt. Sie hätte mich eingesperrt und verjagt und mir alles weggenommen, was mir lieb ist.
Das konnte ich doch nicht zulassen, oder?
Ich weiß, meine Eltern würden anders reagieren, wenn sie es wüssten. Sie würden nicht erfreut darüber sein. Aber ich erzähle es ihnen nicht. Ich will sie damit schützen. Ich werde es ihnen eines Tages sagen, dann, wenn Zeit vergangen ist.
Sie werden es sicher verstehen und irgendwann werden sie dann auch einsehen, dass es besser war, für uns alle.
Solange wird es ein Geheimnis bleiben, das ich für mich hüte.
Hüte wie einen Schatz. So wie die Schätze, die ich jetzt wieder besitze. Endlich. Das Haus ist wieder gewachsen und alle Zimmer werden von der Sonne erhellt. Oft sitze ich dann auf der Fensterbank ihres ehemaligen Zimmers und sehe auf den Baum im Garten.
Das Haus ist wieder so schön wie es einmal war. Und ich bin wieder frei und kann tun und lassen, was ich will.
Wie habe ich das vermisst.
Ich gehe nur selten zu ihr. Nur manchmal fordern mich meine Eltern dazu auf. Und dann gehe ich. Vorher kaufe ich dann immer einen Strauß Blumen in dem Laden um die Ecke. Ich finde diese Blumen so schön.
Den lege ich dann stumm auf ihr Grab. Dort bleibe ich noch einige Minuten stehen und danke ihr, dass sie endlich eingesehen hat, dass es besser ist, für uns beide. Wir beide hätten nie zusammen glücklich werden können. Meine Schwester und ich.
© Phill Dogg (www.philly-online.de.vu)
April 2001



Traumschläfer

Ich wachte auf. Und da war es wieder. Das Gefühl, dass er wieder da war. Der Traum. Der Traum, der fast jede Nacht wiederkam. Ich spürte sofort, dass er sich wieder in mein Gehirn eingeschleust hatte und meine Gedanken eingenommen hatte. Andere Träume hatten nie eine Chance. Ich konnte mich jedenfalls nie an andere Träume erinnern. Nur dieser Traum, der mich ständig verfolgte...
Ich stand auf, um mir ein Glas Wasser einzuschenken. Ich musste den ganzen weiten Weg bis in die Küche laufen. Es war anstrengend. Der Traum saugte meine Kräfte aus. Ich zitterte leicht, als ich die Flasche wieder in den Kühlschrank zurückstellte und mich an den Küchentisch setzte. Langsam verblassten meine Erinnerungen an den Traum wieder. Kurz nach dem Aufschrecken war er immer so real, als wäre alles wirklich passiert. Doch dann, nachdem ich mich einige Minuten in mein Kissen zurückgelegt hatte oder etwas trank oder das Licht anmachte, dann verschwand er wieder. Weg war er jedoch nie ganz. Sonst hätte ich ja keine Erinnerung mehr daran, dass ich ihn schon öfter geträumt habe. Vielleicht wollte er aber auch einfach nur, dass ich nie ganz von ihm loskommen sollte.
Mir war es egal. Jedenfalls am Anfang. Nach dem ersten Mal war es einfach nur ein Traum von vielen gewesen.
Beim zweiten Mal hatte ich mich gewundert, da ich noch nie einen Traum zweimal geträumt hatte.
Und nach den dritten Mal war es sonderbar.
Als er jedoch Nacht für Nacht und das seit drei Wochen immer wiederkam, machte ich mir doch Sorgen.
Doch zu einem Traumdeuter wollte ich nicht gehen. Ich hatte gehört, dass man im Traum Probleme verarbeiten konnte und dass sie wiederkamen, bis man das Problem gelöst hatte, aber ich war mit meiner Situation zufrieden und wollte nichts ändern und so schlimm konnte das Problem ja auch nicht sein. In Büchern hatte ich auch schon nachgesehen und nach der Bedeutung meines Traumes geforscht, aber ich hatte nichts gefunden.
Ich konnte also nichts tun außer zu warten, bis er irgendwann ganz verschwunden war.
In dieser Nacht kam er zum Glück nicht mehr wieder. Aber in der Nacht darauf kam er wieder. Diesmal gleich zweimal. Meistens war ich froh, wenn ich es hinter mir hatte und ich wusste, jetzt hatte ich wieder eine ruhige Nacht vor mir. Aber ich hatte Angst davor, dass er ab jetzt immer zweimal kommen würde. Diese Bilder waren so schrecklich.
Eine Woche später, nachdem ich den Traum sogar in Visionen tagsüber vor meinen Augen gehabt hatte, starb eine gute Freundin von mir. Sie war ermordet worden. Kaltblütig und während der Nacht. Man hatte sie tags darauf blutüberströmt in ihrem Elternhaus gefunden.
Da ich eine ihrer besten Freundinnen gewesen war kam ein Polizist zu mir, um mich zu befragen. Natürlich erzählte ich nichts. Ich wusste ja wirklich nichts. Ich hatte keine Ahnung. Ich war kaum fähig, mit jemandem zu reden. Immerhin war meine beste Freundin verstorben.
Ich erzählte ihm nicht, dass ich seit geraumer Zeit ständig von ihrem Mord geträumt hatte. In meinem Traum war eine Gestalt in das Haus meiner Freundin eingebrochen und hatte sie im Schlaf mit einem Messer erstochen. Der Traum war von Mal zu Mal realer geworden.
Ich hatte dem Polizisten nichts erzählt. Auch nicht, dass ich im Traum sogar den Mörder gesehen hatte, wie er, ohne jegliche Skrupel, meine Freundin ermordet hatte. Ich konnte es ihm nicht sagen. Er hätte mir ja sowieso nicht geglaubt. Und ich selbst wollte auch nicht in Gefahr geraten.
Oder hätte ich ihm sagen sollen, dass die Gestalt in meinem Traum, die so grausam einen Mord begangen hatte, ich war?
© Phill Dogg (www.philly-online.de.vu)


Rache-Engel

Ihr Herz klopft heftig angesichts der Aufregung. Aber sie bemüht sich, ruhig zu atmen. Sie will schließlich nicht gleich gehört werden.
Seit Monaten hat sie auf diesen Moment gewartet. Immer wieder hat sie sich so eine Gelegenheit herbei gesehnt. Und nun war sie da. Ganz zufällig. Und eigentlich gar nicht beabsichtigt.
Aber sie war da.

Da hört sie, wie die Klotür wieder auf geht. Niemand sonst ist hier. Nur sie und die andere.
Sie hofft, dass nicht ein dummer Zufall es so will, dass ausgerechnet jetzt jemand herein kommt.
Da steht die andere schon vor dem Spiegel und fummelt an ihren Haaren und ihrem Gesicht herum. – Als ob es da noch was zu retten gäbe!

„Hallo!“ sagt sie sanft mit einem seltsamen Unterton in der Stimme, der zwischen Wahnsinn und Hass liegt.
Die andere fährt erschrocken herum.
„Ach, die Satanistin!“ bemerkt die andere arrogant, als sie sieht, wer dort steht.
Sie lächelt und in ihren Augen liegt ein rachlustiges Funkeln.
„Was hast’n du für’n Psychoblick?“ fragt die andere.
Ihre Nasenflügel blähen sich für einen Augenblick, als würde sie ihre Wut unauffällig hinaus blasen.

Dann setzt sie sich langsam in Bewegung. Dabei achtet sie darauf, dass sie sich nicht zu schnell bewegt. Das wäre auffällig.
„Sag mal, kannst du etwa nicht sprechen? Oder überlegst du gerade, wie das rückwärts heißt?“ sagt die andere immer noch mit dieser Arroganz, die schon fast mehr stinkt, als die Klos.
Inzwischen ist sie zwischen der anderen und der Tür. Nun kann die andere nicht mehr entkommen!
Die bekommt anscheinend doch Angst.
Sie registriert es mit Genugtuung. Genau das, was sie immer wollte!

Langsam bewegt sie sich auf die andere zu.
Und plötzlich springt sie vor und hat ein Messer in der Hand!
Die andere will kreischen, doch sie kommt nicht mehr dazu, weil gleichzeitig sie ihr Knie hochzieht und ihr gegen die Brust tritt. Die Luft entweicht so mit einem Keuchen aus den Lungen der anderen.
Durch die Wucht des Sprungs fallen beide zu Boden, doch behält sie die Oberhand.

Und nun fängt sie an: Sie zieht die Klinge des Messers immer wieder über das Gesicht der anderen und drückt mit der anderen Hand gleichzeitig ihre Kehle zu. Die Arme der anderen hält sie mit den Knien in Schach. Und die Beine erreichen sie gar nicht.

Nach einer Weile wird die Gegenwehr schwächer. Die andere ist ohnmächtig. Gut, nun kann sie aufhören.
Das Gesicht der anderen ist blutverschmiert und übersät von dutzenden Messerschnitten. Wenn nicht alle, so bleiben doch einige als Narbe zurück. – Dann wird die andere immer daran denken, was an diesem Tag passiert ist. Hoffentlich wird es ihr eine Lehre sein, denn sonst war alles umsonst.

Sie steht auf, wäscht in aller Ruhe das Messer im Waschbecken sauber und beseitigt danach jeden Klecks Blut, der noch auf dem weißen Becken ist. Das Messer selber verschwindet in ihrer Büchertasche, ganz unten.
Dann geht sie zu einer der Toiletten und spült. Sie wartet einige Zeit und stürzt dann ganz aufgelöst auf den Flur hinaus. Die Freundinnen der anderen schauen sie herablassend an.
Doch bevor sie eine Bemerkung loslassen können, sagt sie schon:
„Ihr müsst einen Arzt rufen!“ Dann stößt sie die zugefallene Tür wieder auf und zeigt auf das bewusstlose Mädchen. „Als ich ... aus dem ... Klo kam, da – da lag sie einfach da...“
Sie wollte noch weiter reden, doch die anderen Mädchen kreischten und rannten alle weg. Sie blieb alleine zurück und stand erst kurz verdutzt da.
Doch dann machte sie sich auf den Weg zur Telefonzelle und rief einen Krankenwagen.
© Opium-Angel
26|06|2001